Was bisher geschah:
Ein abenteuerlustiger Gallo-Germane machte sich einst auf zu neuen Gefilden und erreichte nach langer Reise das weite land der Indianer. Dort erwarteten ihn jede Menge Erlebnisse, die diese Reise unvergesslich werden ließen. Heute soll nun die Geschichte des Besuches bei Exoten dieses Kontinents erzählt werden. Diese Exoten sind ursprünglich Gallische Landsleute unseres Reisenden, nennen sich aber "Québécois" und bevölkern den Nordosten Amerika's. Das größte Dorf in dieser Provinz nennt sich Montréal und beherbergt ca. 3,7 mio Québécois. Dieses Dorf war das Ziel unseres Abenteurers...
27.12.2009 - 03.01.2010: Câlice d'ostie de tabarnak!
Wie gesagt, ging es gleich nach dem Auenthalt in New York über Weihnachten weiter nach Montréal um dort das neue Jahr zu begrüßen. Das hieß dann erstmal wieder eine beachtliche Zeit Bus fahren... Insgesamt hat es ca. 24 Stunden gedauert. Meine Freunde aus London erwarteten mich dort schon, sie waren schon einen Tag früher angekommen, da sie Weihnachten in Ottawa verbracht haben. Diese Freunde waren: Romain (Frankreich), Abhijit (Indien), Francesca (Neuzeeland), Emeric (Frankreich), Charlotte (Frankreich, später angekommen und eigentlich nicht eingeplant...) und Jen (Australien, noch später angekommen und noch weniger erwartet......).
Wir hatten uns dort eine Wohnung gemietet, diese war echt gemütlich, gut ausgestattet und dank Metro-Haltestelle war das Stadtzentrum auch gut erreichbar. Allerdings war die Wohnung für fünf Personen gedacht, was gegen Ende dazu führte, dass ich gemerkt habe, dass der Fußboden in Kombination mit buddhistischer Meditation ein herrliches Bett abgibt!
In Montréal habe ich auch den echten kanadischen Winter kennen gelernt. Es war ziemlich konstant -17 bis -20 Grad warm mit einer angenehm frischen Brise. Ich glaube hier nennen sie das Blizzard. Was mich echt erstaunt hat, war die Selbstverständlichkeit, mit der die Leute dort solche Wetterverhältnisse hinnehmen. In Deutschland wird man schon dann vom Nachbar schräg angeguckt, wenn um 7 Uhr morgens noch eine Schneeflocke auf dem Bürgersteig ist. Nicht so in Montréal: Ein Bürgersteig gilt dann als Schneefrei, wenn "nur" noch 30 cm Schnee darauf liegen! Auch der Straßenverkehr läuft eigentlich ganz normal, das liegt wahrscheilich an den Mähdrescher-ähnlichen Räumfahrzeugen, die mit irrsinnigem Tempo und in Formationsfahrt ganze Landstriche in 5 Minuten schneefrei bekommen würden. Ja, hier ist man einfach vorbereitet, sowohl mental, als auch technisch!
Die Altstadt selbst ist wirklich schön, ganz anders, als die Innenstadt Torontos, viel gemütlicher und natürlich nicht einmal ansatzweise so hektisch wie New York! Wir haben es übrigens ausgiebig versucht die Eisdecke des St. Laurent Flusses zu durchbrechen (mit Steinen, nicht mit uns selbst!), sind aber kläglich gescheitert.
Das U-Bahn fahren in Montréal ist an sich schon in ziemliches Erlebnis, man hört 20 verschiedene Sprachen, von denen ich bei 10 noch nicht einmal den Kontinent zuordnen konnte. Russisch habe ich aber identifiziert, da war ich schon ein wenig stolz!
Abends machte versuchte sich unser Hobbykoch Emeric an verschiedensten Nudelsoßen, mit einer Erfolgsquote von etwa 60%. Insgesamt waren wir eine echt lustige Truppe. Der typische Morgen sah in etwa folgendermaßen aus: Am Abend sagt Romain, dass er am nächsten Tag um 9 Uhr das Haus verlassen will um auch schön viel sehen zu können. Alle stimmen zu. Charlotte schlägt sogar 8 Uhr vor. Am nächsten Morgen blockiert Abhi allerdings für eine Stunde das Bad, Romain fängt an nervös zu werden, es ist 10:00, Charlotte schläft noch. Als wir uns dann um 11 auf den Weg machen (ohne Charlotte, sie schläft noch), sind alle erst einmal dafür einen zweiten Kaffee zu trinken, immerhin war das Aufstehen ja ziemlich anstrengend! Romains erster Satz ist dann meistens: "Morgen bin ich um 9 aus dem Haus!" Sicher...
Ein schönes Stück Frankreich findet man übrigens im Marché Jean Talon: Wir haben in einer Bäckerei Feigen- und Olivenbrot gekauft, riesige Käsetheken gesehen, die genauso stinken (entschuldigung, riechen!) wie in Frankreich und bei einem echten Bretonen Crèpes gegessen. Ja, da freut man sich schon auf den nächsten Sommer!
Wieder einmal gäbe es noch sooo viel mehr zu erzählen, aber das muss ich dann wohl persönlich nachholen. Es ist ja gar nicht mehr so lang bis ich wieder in Deutschland bin. Die Vorlesungszeit ist schon vorbei, was bleibt ist ein Monat voller Prüfungen. Man hat am Freitag wieder ein lautes "Klick" gehört, das ertönt, wenn das Gehirn eines kanadischen Studenten auf "Prüfungszeit!!!!!!" umschaltet. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Mauern der Bücherei dem Druck der Horden nachgibt. In dieser Prüfungsphase ist sie übrigens erstmals 24 Stunden am Tag geöffnet. Ob die Noten dadurch besser werden? Meine wahrscheinlich nicht ;)