Sonntag, 11. April 2010

Sollen wir einfach mal so tun, als seien seit dem letzten Eintrag nur fünf Minuten vergangen? Klingt gut. Los geht's!
Was bisher geschah:
Ein abenteuerlustiger Gallo-Germane machte sich einst auf zu neuen Gefilden und erreichte nach langer Reise das weite land der Indianer. Dort erwarteten ihn jede Menge Erlebnisse, die diese Reise unvergesslich werden ließen. Heute soll nun die Geschichte des Besuches bei Exoten dieses Kontinents erzählt werden. Diese Exoten sind ursprünglich Gallische Landsleute unseres Reisenden, nennen sich aber "Québécois" und bevölkern den Nordosten Amerika's. Das größte Dorf in dieser Provinz nennt sich Montréal und beherbergt ca. 3,7 mio Québécois. Dieses Dorf war das Ziel unseres Abenteurers...

27.12.2009 - 03.01.2010: Câlice d'ostie de tabarnak!

Wie gesagt, ging es gleich nach dem Auenthalt in New York über Weihnachten weiter nach Montréal um dort das neue Jahr zu begrüßen. Das hieß dann erstmal wieder eine beachtliche Zeit Bus fahren... Insgesamt hat es ca. 24 Stunden gedauert. Meine Freunde aus London erwarteten mich dort schon, sie waren schon einen Tag früher angekommen, da sie Weihnachten in Ottawa verbracht haben. Diese Freunde waren: Romain (Frankreich), Abhijit (Indien), Francesca (Neuzeeland), Emeric (Frankreich), Charlotte (Frankreich, später angekommen und eigentlich nicht eingeplant...) und Jen (Australien, noch später angekommen und noch weniger erwartet......).
Wir hatten uns dort eine Wohnung gemietet, diese war echt gemütlich, gut ausgestattet und dank Metro-Haltestelle war das Stadtzentrum auch gut erreichbar. Allerdings war die Wohnung für fünf Personen gedacht, was gegen Ende dazu führte, dass ich gemerkt habe, dass der Fußboden in Kombination mit buddhistischer Meditation ein herrliches Bett abgibt!
In Montréal habe ich auch den echten kanadischen Winter kennen gelernt. Es war ziemlich konstant -17 bis -20 Grad warm mit einer angenehm frischen Brise. Ich glaube hier nennen sie das Blizzard. Was mich echt erstaunt hat, war die Selbstverständlichkeit, mit der die Leute dort solche Wetterverhältnisse hinnehmen. In Deutschland wird man schon dann vom Nachbar schräg angeguckt, wenn um 7 Uhr morgens noch eine Schneeflocke auf dem Bürgersteig ist. Nicht so in Montréal: Ein Bürgersteig gilt dann als Schneefrei, wenn "nur" noch 30 cm Schnee darauf liegen! Auch der Straßenverkehr läuft eigentlich ganz normal, das liegt wahrscheilich an den Mähdrescher-ähnlichen Räumfahrzeugen, die mit irrsinnigem Tempo und in Formationsfahrt ganze Landstriche in 5 Minuten schneefrei bekommen würden. Ja, hier ist man einfach vorbereitet, sowohl mental, als auch technisch!
Wie auch immer, es braucht schon mehr als ein bisschen Schnee und Frost um hartgesottene Austauschstudenten am Sightseeing zu hindern. Unser erstes Ziel war das ausgediente Olympiastadium, welches nun das sogenannte "Biodome" enthält. Dieses ist eine Halle mit 3 verschiedenen Klimazonen: tropisch, kanadisch und polar. Irgendwie haben wir einen großteil der Zeit im tropischen Bereich verbracht... Außer dem Biodome befindet sich auf dem Gelände noch ein Aussichtsturm, aus dem man die Skyline Montréals bestaunen kann und ein botanischer Garten. Allerdings war dort, wo z.B. der japanische Garten sein sollte, nur ein halber Meter Schnee zu beobachten. Trotzdem ein schöner Anblick!
Das nächste Ziel war die Altstadt Montréals mit seinem Museum für Archeologie und Geschichte, namentlich "Pointe à Callière". Dort kann man die ursprünglichen Fundamente des historischen Montréal, wie es die frühen Pelzhändler gebaut haben, bestaunen.
Die Altstadt selbst ist wirklich schön, ganz anders, als die Innenstadt Torontos, viel gemütlicher und natürlich nicht einmal ansatzweise so hektisch wie New York! Wir haben es übrigens ausgiebig versucht die Eisdecke des St. Laurent Flusses zu durchbrechen (mit Steinen, nicht mit uns selbst!), sind aber kläglich gescheitert.
Das U-Bahn fahren in Montréal ist an sich schon in ziemliches Erlebnis, man hört 20 verschiedene Sprachen, von denen ich bei 10 noch nicht einmal den Kontinent zuordnen konnte. Russisch habe ich aber identifiziert, da war ich schon ein wenig stolz!
Abends machte versuchte sich unser Hobbykoch Emeric an verschiedensten Nudelsoßen, mit einer Erfolgsquote von etwa 60%. Insgesamt waren wir eine echt lustige Truppe. Der typische Morgen sah in etwa folgendermaßen aus: Am Abend sagt Romain, dass er am nächsten Tag um 9 Uhr das Haus verlassen will um auch schön viel sehen zu können. Alle stimmen zu. Charlotte schlägt sogar 8 Uhr vor. Am nächsten Morgen blockiert Abhi allerdings für eine Stunde das Bad, Romain fängt an nervös zu werden, es ist 10:00, Charlotte schläft noch. Als wir uns dann um 11 auf den Weg machen (ohne Charlotte, sie schläft noch), sind alle erst einmal dafür einen zweiten Kaffee zu trinken, immerhin war das Aufstehen ja ziemlich anstrengend! Romains erster Satz ist dann meistens: "Morgen bin ich um 9 aus dem Haus!" Sicher...

Ein schönes Stück Frankreich findet man übrigens im Marché Jean Talon: Wir haben in einer Bäckerei Feigen- und Olivenbrot gekauft, riesige Käsetheken gesehen, die genauso stinken (entschuldigung, riechen!) wie in Frankreich und bei einem echten Bretonen Crèpes gegessen. Ja, da freut man sich schon auf den nächsten Sommer!
Wieder einmal gäbe es noch sooo viel mehr zu erzählen, aber das muss ich dann wohl persönlich nachholen. Es ist ja gar nicht mehr so lang bis ich wieder in Deutschland bin. Die Vorlesungszeit ist schon vorbei, was bleibt ist ein Monat voller Prüfungen. Man hat am Freitag wieder ein lautes "Klick" gehört, das ertönt, wenn das Gehirn eines kanadischen Studenten auf "Prüfungszeit!!!!!!" umschaltet. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Mauern der Bücherei dem Druck der Horden nachgibt. In dieser Prüfungsphase ist sie übrigens erstmals 24 Stunden am Tag geöffnet. Ob die Noten dadurch besser werden? Meine wahrscheinlich nicht ;)


Montag, 1. Februar 2010

Ist das möglich? Ist es wirklich schon so lange her, dass ich hier etwas geschrieben habe?? Kann mal jemand die Zeit anhalten? Mir geht das hier alles viel zu schnell... Über die Hälfte meiner Zeit hier, auf der anderen Seite des großen Teiches, ist vorbei. Ich glaube ich schreibe an das Kultusministerium Baden-Württemberg, dass ich noch ein Jahr brauche! Die haben sicher Verständnis für uns Austauschstudenten. Ich bin mir auch sicher hier einige Unterschriften für mein Anliegen sammeln zu können!
Jetzt aber erstmal der übermäßig überfällige Nachtrag mit Infos über (fast) alles, was meine Zeitwahrnehmung so trübt!

22.12. - 26.12. If you can make it there, you'll make it anywhere!

Am Abend des 21. Dezembers machten sich Erwan und ich auf den Weg in eine ganz besondere Stadt: New York. Nach einer eher schlaflosen Nachtbusfahrt mit Grenzübergang in die USA mittendrin (erstaunlich problemlos), sind wir im Busbahnhof angekommen. Schon hier merkt man, dass in dieser aus dem Ruder gelaufenen Siedlung einfach gar nichts durchschnittlich ist. Der Bahnhof hat viele Stockwerke auf denen sich die Busse stapeln. Vorteilhaft ist, dass er sich mitten in der Stadt befindet! So brauchten wir nur ein paar Schritte gehen um den Broadway zu erreichen. Die Sonne ging gerade auf, was allerdings in der Lichterflut komplett untergeht. Jetzt ist einem endgültig klar: Das muss New York sein!



Nach einem Frühstück ging es dann ab ins Hostel um unseren dritten Mitstreiter Simon zu treffen... Der schlief allerdings noch. Also ging es erstmal in den Central Parc. Da ein paar Tage zuvor ein Schneesturm gewütet hatte, was dieser mit einer dicken Schneeschicht bedeckt!


Endlich vereint machten sich Erwan, Simon und ich auf den Weg zur Südspitze von Manhattan um die Fähre zur Freiheitsstatue zu nehmen. Nach dem Anstehen in einer nicht enden wollenden Schlange und dem Passieren eines (schon wieder!) unglaublich freundlichen Sicherheitschecks fuhren wir dann endlich in Richtung einer grünen Frau mit Krone und Fackel in der Hand! Es gibt sie, die Dinge, die man in New York gemacht haben muss, und die Freiheitsstatue gehört einfach dazu.
Ganz lustig war übrigens, dass wir auf Ellis Island dann auch noch vollkommen zufällig Alessandra, eine Freundin, die mit Simon und mir in Heidelberg Physik studiert, getroffen haben! Sie ist momentan für ein Jahr in der Nähe von Boston. Zufälle gibts...


Am Abend ging es dann in Rightung Times Square. Vor lauter blinkender Lichter und omnipräsenter Reklame ist das Gehirn hier vollkommen überfordert! Ich kan mich an kein einziges spezielles Produkt erinnern. Das muss eine extrem unprofitable Form von Werbung sein... Aber das Gesamtbild ist dafür umso beeindruckender. Moderner Konsum-Impressionismus: Kauf. Egal was. Kauf einfach.


Nachdem wir am ersten Tag Manhattan aus der Froschperspektive gesehen haben und uns dementsprechend klein und unbedeutend fühlten, haben wir uns gesagt, dass es Zeit ist die Dächer zu erobern. Ziel: Rockefeller Center! Wir haben uns bewusst gegen das Empire State Building entschieden, da wir dieses ja von oben sehen wollten. Außerdem hat man vom Rockefeller Center eine perfekte 360° Sicht! Ich könnte hier versuchen die Eindrücke zu beschreiben, aber das würde nichts bringen... Stattdessen gibt es ein paar Fotos, doch auch die bringen nicht annähernd den Eindruck, den man da oben hat, rüber. Ach ja, den alljährlichen Weihnachtsbaum gab es auch zu bestaunen.


Abends ging es dann zur Wall Street, passend zur Finanzkrisenstimmung auch bei Sonnenuntergang ;)

Ich muss leider jetzt einen etwas größeren Sprung machen und Ground Zero, Chinatown, Brooklynn Bridge, Grand Central Station, ... auslassen, sonst wird das hier noch ein Reiseführer. Daher springe ich gleich zum inoffiziellen Highlight des Trips: Dem Christmas-Burger! Da wir ja über Weihnachten dort waren, mussten wir uns irgendwie ein Weihnachtsessen organisieren. Zum Glück hatte unser Hostel eine gute Küche, was uns ermöglichte ein wenig kreativ zu werden! Von äußeren Eindrücken beeinflusst, direkt oder indirekt (Werbung am Times Square???) , entschieden wir uns die weltbesten Burger zu machen. Das Experiment ist gelungen! An das genaue Rezept kann ich mich allerdings nicht mehr genau erinnern, da es danach zu einem vom Hostel organisierten Pub-Crawl ging... Heiligabend der etwas anderen Art!



Nach einem sehr entspannten 25. Dezember mit Spaziergang im Central Parc und Kaffee im Trump Tower und einem besuch an bord eines vor Anker stehenden Flugzeugträgers am 26., ging es am Abend wieder auf den Weg nach London. Während sich Erwan noch einen schönen Tag in Toronto gemacht hat, ging es für mich direkt weiter nach Montreal, aber das ist eine andere Geschichte und wird beim nächsten Mal erzählt!